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Advent


Da bin ich in der weihnachtlich geschmückten Stadt. Tausend Lichter, es duftet nach gebrannten Mandeln, Glühwein, Bratwurst und vielem mehr. Die Menschen haben es eilig, in den Händen prall gefüllte Einkaufstüten. Weihnachtseinkäufe, Leckereien, auch mancher Luxus ist dabei. Ich horche in mich hinein, da ist keine weihnachtliche Stimmung in mir. Wie war das nur früher? Diese innere Freude über eine besondere Zeit? Mein Herz ist schwer und sagt mir, ich habe etwas verloren, die unschuldige Freude der Kindheit verloren. Da ist das Bild vor meinem inneren Auge, das ich nicht los werde, wie eingebrannt in mein Wissen. In einer Zeitschrift habe ich es gesehen, dieses Bild: Ein Mann, aus Pakistan vielleicht, zusammengebrochen an der griechisch-mazedonischen Grenze, in Tränen aufgelöst, das Gesicht verzerrt durch seine große Verzweiflung. In der Hand ein Stück Pizza, das er aus zerknitterter Alufolie auswickelt, um es seinem kleinen Jungen zu geben. Der streckt die Hand aus, um seinem Vater tröstend über den Kopf zu streichen. Und dieser Anblick des kleinen Jungen bricht mir das Herz. In dieser Sekunde hat der kleine Junge für immer seine kindliche Unschuld verloren, seinen Glauben daran, dass sein erwachsener Vater immer Rat wisse, dass er stark sei und seinen Jungen behüten könne. Die Hilflosigkeit und Verzweiflung des Vaters nimmt ihm für immer das Vertrauen, dass Erwachsene schon wüssten, was man tun könne, wenn alles zusammenbricht. In diesem Moment muss der kleine Junge erwachsen werden und das Wissen akzeptieren, dass er vertrauend seinem Vater bis hierher an diesen Stacheldraht gefolgt ist, den langen beschwerlichen Weg, aber dass der Vater machtlos ist gegenüber diesem Schicksal, und dass er wieder zurück muss in das Elend, aus welchem sie fliehen wollten. Der Vater kann ihm keine Hoffnung mehr geben. Unmenschliche "Maßnahmen" nehmen ihnen jede Chance.

Wie unmenschlich können Menschen sein?


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